Projekt2020

Chinesen in Google Street View

Teil der Serie Bildreproduktion

Medium
Sonstiges
Maße
Abmessungen variabel

Chinesen in Google Street View basiert auf Bildern, die in Google Street View in ganz China gefunden wurden. Diese Szenen wurden nicht alle im Rahmen eines standardisierten offiziellen Kartierungsprozesses erstellt. Eine beträchtliche Anzahl wurde von Benutzern hochgeladen, wodurch viele Orte jenseits regulärer Straßen und Fahrzeugrouten aufgezeichnet werden konnten: Felder, Dorfwege, Tempel, stadtnahe Zonen und andere Alltagsräume mit geringem herkömmlichen touristischen Wert.

Aus diesen verstreuten Street View-Bildern extrahiere ich Figuren, Szenen und Details und ordne sie dann zu einem umfassenderen Bild von China neu. Den Menschen auf diesen Bildern ist oft nicht bewusst, dass sie sich in einem globalen Kartensystem befinden. Sie stehen vor Häusern, gehen über ländliche Wege, bleiben neben Tempeln stehen oder kommen einfach zufällig an der Kamera vorbei. Es sind genau diese unbeabsichtigten Erscheinungen, die Street View von einem Werkzeug der geografischen Information in eine informelle Aufzeichnung des Alltagslebens verwandeln.

Anders als Fotojournalismus oder Dokumentarfotografie mangelt es Street View-Bildern meist an einer klaren Autorenabsicht oder einem zentralen Ereignis. Es dient der Navigation, Ortung und räumlichen Erkennung, bewahrt jedoch unbeabsichtigt die Art und Weise, wie gewöhnliche Menschen in der Welt leben. Indem ich diese Bilder beschneide und neu arrangiere, versuche ich, aus einem riesigen und fragmentierten digitalen Archiv ein vielschichtigeres und komplexeres Bild von China zusammenzustellen.

Die Arbeit untersucht, wie digitale Kartierung die Realität aufzeichnet und wie Menschen und Orte nebenbei in dieses System aufgenommen werden. Was ursprünglich als Hintergrundinformation erschien, wird durch erneute Aufmerksamkeit zu einem wichtigen Hinweis zum Verständnis von Gesellschaft, Raum und Alltagserfahrung.